Gedicht des Monats

Jeden Monat finden Sie hier ein neues Gedicht von Lutz Riehl, das entweder zur Jahreszeit oder zu einem aktuellen Ereignis passt.

November 2020

Magdeburg

Ballade nach dem Märchen „Heimsuchung in Magdeburg“ von Christina Kupczak

Eines Tags im September, im hohen Dom,
da war’n sie zum Leben erwacht,
Kathrein mit dem Rad und Maritius,
der Deutschen Patron, hatte Gottes Beschluss
in diese Stadt, zu ihren Menschen gebracht.
So zogen sie los, und sie fragten umher,
nach Wissen, Kultur und viel anderes mehr.
Die Antwort – erschütternd, da niemand verstand
wie man Bildung im Kopf und im Herzen verband.
Und fragt ihr jetzt, wo dies ereignet sich hat?
Hört, Magdeburg heißt die beschauliche Stadt.

Die Wochen vergingen, doch schien die Mission
vollkommen gescheitert im Kern.
Kathrein, die auf Bildung und Wissenschaft schwor,
sie klagte Mauritius, doch der schlug ihr vor:
„Wir bringen den Leuten die Taufe des Herrn.“
Und da kamen sie, von den Rändern der Welt,
sie hatten sich unter den Segen gestellt.
Bei vielen entstand nun als Keim die Idee,
dass jeder den andern als Nächsten versteh.
Wo konnte denn heut solch ein Wunder gesche’hn?
In Magdeburg ist es für alle zu seh’n.

Doch gab es auch Feinde von allem, was fremd,
weshalb Deutschland dunkel erschien.
Mit Fahnen in Schwarz-Rot-Gold zogen sie los,
patriotisch und wütend, wie war der Zorn groß,
sie pöbelten gegen das Andre und schrien.
Da traten die Heiligen mutig hinzu,
sie ließen den Demagogen nicht Ruh,
denn „deutsch“ meint, das etwas zum Volke gehört,
auch wenn sich ein Kleingeist an der Wahrheit stört.
Und fragt ihr: Wo wird solche Weisheit erkannt?
In Magdeburg, und auch wo anders im Land.

Am ersten November, kam über die Stadt
ein Wunder aus himmlischen Höh’n.
Die Schar aller Heiligen zog festlich ein,
ob christlich, buddhistisch, alt, jung, groß und klein,
sie halfen den Menschen versteh’n,
was Jesus zur Menschheitsfamilie gesagt,
sie riefen den Einwohnern: „Hier sind wir, fragt!
Denn diese Welt lebt nur dann für lange Zeit,
seit ihr zur Gemeinschaft mit andern bereit.“
Wo war es nur möglich, das so etwas glückt?
In Magdeburg, auf das das ganze Land blickt.

Am Sankt Katharinentag, im hohen Dom,
da endete diese Mission
Kathrein und Mauritus, Patrone der Stadt,
sie kehrten zu Gott, der gesendet sie hat,
doch ernteten sie großen Lohn.
Die Menschen der Stadt kamen noch ein Stück mit
und sangen zum Schlussgeleit ihnen das Lied
von Einigkeit, Recht und von Freiheit für’s Land,
als Hymne von Deutschland uns allen bekannt.
Ich wünscht, dieser Friede herrscht in jedem Fall
in Magdeburg, aber auch sonst überall.

 Was damals geschehen, lebt weiterhin fort
 in uns, dafür treten wir ein.
 Kennst du deine Herkunft und blickst doch nach vorn
 hast du es geschafft, egal wo du gebor’n,
 Abendländer, nein mehr, Europäer zu sein.
 Wenn dich deine Reise einmal ostwärts trägt,
 sieh zu, dass es dich in dies Städtchen verschlägt.
 Kommst du in den Dom, so besuche die zwei,
 als Geschenke habe stets weiße Rosen dabei.
 Legst du sie dort nieder, kannst fröhlich du sein,
 dann trägst du im Herz ein Stück Magdeburg heim. 

© Text: Lutz Riehl 2019, eine Autorenlesung dieses Gedichte erscheint in Kürze auf dem YouTube-Kanal „Vorsicht, Lyrik!“