Kulturfenster

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Januar 2021

Die Fledermaus – Ein Klassiker zum Jahreswechsel

Die Fledermaus ist nicht nur die berühmteste Operette des Komponisten Johann Strauß, Sohn (1825-1899) sondern als wichtigstes Werk der sogenannten Goldenen Operettenära (ca. 1860 bis ca. 1900). Neben der Lustigen Witwe von Franz Lehár (1870-1948) gilt Die Fledermaus als eine der bekanntesten Operetten überhaupt. Die bunte Verwechslungskomödie, deren Schauplatz ein Maskenball ist, gehört heute zum Repertoire großer Opernhäuser, wie der Wiener Staatsoper, der Bayrischen Staatoper oder auch Covent Garden und wird mit Vorliebe zu Silvester oder zum Fasching aufgeführt.

Das Libretto der Operette geht auf eine literarische Quelle, die Komödie Das Gefängnis des Leipziger Schriftstellers Roderich Benedix zurück. Aus dieser wiederum entstand das Lustspiel Le Réveillon des französischen Autorenduos Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Mit Réveillon wird in Frankreich das Fest am Heiligen Abend bezeichnet, welches durchaus ausufern kann (ein ähnliches Fest spielt am Rande im zweiten Akt von Giacomo Puccinis Oper La Bohème eine Rolle). Motive und Inhalte bearbeitete Karl Haffner, wobei dessen Vorlage sich als nicht musiktauglich erwies. Der in Wien tätige Librettist Richard Genée erweiterte diese Vorlage zu einem kompakten, operettentauglichen Stück. Insbesondere machte er ein rauschendes Fest bei einem russischen Großfürsten zum Mittelpunkt des Werkes, um das sich die Intrigen von Eisenstein und Falke entwickeln.

Die Musik soll in den wesentlichen Teilen innerhalb von 42 Tagen im Sommer 1873 in Strauss‘ damaliger Wohnung (1870–1878) in der Maxingstraße 18in Hietzing (seit 1892 13. Wiener Bezirk) entstanden sein, wobei Strauss hauptsächlich als Urheber der Melodien in Erscheinung trat, während große Teile der Instrumentierung von Genée ausgeführt wurden. Ein Musikstück aus dem neuen Werk wurde bei einem Wohltätigkeitskonzert im Oktober 1873 erstmals dem Wiener Publikum vorgestellt, dies war der Csárdás aus dem zweiten Akt. Dieser und die Ouvertüre sind die einzigen musikalischen Teile, die vollständig von Johann Strauß komponiert wurden.

Wegen des großen Erfolges dieser Csárdás-Aufführung wurde die Uraufführung der gesamten Operette rasch vorangetrieben, musste aber infolge der inzwischen ausgebrochenen Wirtschaftskrise („Gründerkrach“) mehrfach verschoben werden. Schließlich ging sie am 5. April 1874, unter der musikalischen Leitung des Komponisten, im Theater an der Wien über die Bühne. Nach späteren Behauptungen sei sie in Wien kein „Sensationserfolg“ gewesen, in Wirklichkeit fand sie durchwegs anerkennende Zustimmung bei Publikum und Presse. Bis 1888 folgten weitere 199 Aufführungen in demselben Theater. In anderen Städten war allerdings die Aufnahme erheblich besser, zum gleichen Zeitpunkt war sie in Berlin bei einem späteren Startzeitpunkt bereits über 300-mal aufgeführt worden. Die erste Aufführung in einem Opernhaus erfolgte 1894 unter dem Dirigat von Gustav Mahler im Stadt-Theater Hamburg (Staatsoper).

Nahezu völlig vergessen ist, dass es um 1879 Bemühungen gab, Johann Strauß zu einer Fortsetzung der Operette zu bewegen. Dazu hatte Leon Treptow das Libretto verfasst. Nachdem Strauß endgültig ablehnte (er komponierte anschließend die Operette „Das Spitzentuch der Königin“) wurde „Prinz Orlofsky“ schließlich von Carl Alexander Raida vertont und erlebte am 8. April 1882 im Berliner Viktoria-Theater seine Uraufführung. Bekannt ist daraus bestenfalls noch der „Prinz-Orlofsky-Walzer“. Nach 23 Aufführungen wurde das Werk vom Spielplan genommen und scheint keine weitere Aufführung mehr erlebt zu haben.

Die Musik der Fledermaus besticht vor allem durch den großen Reichtum an Melodien und Rhythmen, aber auch durch die feinsinnige Instrumentierung, die schon in der Ouvertüre zu erkennen ist. Darüber hinaus besitzt das Werk viele „Nummern“, die auch als Einzelstücke Berühmtheit erlangten; etwa der Csárdás Klänge der Heimat, das Duett Glücklich ist, wer vergißt, der Chorwalzer Brüderlein und Schwesterlein oder das Loblied auf den Champagner. Die Partie des Gabriel von Eisenstein ist so gestaltet, dass sie sowohl von einem Tenor als auch von einem Bariton bewältigt werden kann, sie wurde u. A. von den Tenören Julius Patzak und Nicolai Gedda aber auch von Eberhard Wächter und Hermann Prey (beide Bariton) gesungen. Die Partie der Adele ist als Soubrette angelegt, wurde aber ebenfalls von Spezialistinnen für das Opernfach gesungen, wie z. B. Lucia Popp. Gefängniswärter Frosch ist als Sprechrolle angelegt. Wenngleich für diese Partie ein vollständiger Rollentext existiert, wird dem Darsteller stattdessen viel Raum zur Improvisation gelassen, gerne werden dort tagespolitische Themen aufs Korn genommen. Der Frosch gilt daher nicht nur als Paraderolle für Schauspieler, sondern wurde gelegentlich auch von Komikern gespielt; zu den Frosch-Darstellern gehören Franz Muxeneder, Otto Schenk, Andre Heller, aber auch Heinz Schenk und Otto Waalkes.

Lutz Riehl, Quelle: „Fledermaus“-Artikel auf Wikipedia