Kulturfenster

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Januar 2022

Immer noch Weihnachten – Gedanken zum Weihnachtsbuch GAUDETE

Für die meisten Menschen ist Weihnachten vorbei, abgehakt. Jetzt richtet die Eventgesellschaft ihr Interesse auf Karneval. Irgendwann muss es doch vorbei sein mit der Pandemie, irgendwann „müssen“ wir doch unser „altes Leben“ zurückbekommen!

Am 25.12. beginnt die Weihnachtszeit und ist nicht am Abend des 26.12. beendet. Aber schon werden die ersten Weihnachtsbäume entsorgt, landen im Müll. Wir können nicht mehr feiern, wir hetzen von Event zu Event, schnell wie Videoclips muss unser tägliches Tempo sein und gleichzeitig klagen wir über Stress und Hektik.

Jetzt ist Weihnachtszeit. Am 6.1. feiern die orthodoxen Christen ihr Weihnachtsfest. Dieses Datum ist älter als der 25.12. in der West- Kirche. Am 6.1. ist Epiphanie, das ist: Erscheinung des Herrn. Durch die Weisen aus dem Morgenland wurde der Welt über den jüdischen Kulturraum hinaus verkündet: Gottes Sohn, der Retter, ist geboren. – Stopp! Gottes Sohn? Geht es an Weihnachten nicht um das Rentier Rudolph und den putzigen Weihnachtsmann, der wie ein zu groß geratener Gartenzwerg aussieht? Kein Ulk: viele Kinder wären sehr erstaunt wenn man ihnen erklären würde, dass Weihnachten der Geburtstag von Jesus Christus ist. Und warum beschenken wir uns an diesem Tag? Weil Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, das war mal die Ur-Idee des Festes. –

Inzwischen hat man diesen Inhalt nahezu gelöscht. Je oberflächlicher und je unverbindlicher umso besser. Ich schlage vor, dass man nun auch die Begriffe „Heiliger Abend“ und „Weihnachten“ streicht und einfach mit „Fest“ oder „Fest der Familie“ ersetzt, es wäre ehrlicher, denn was an diesem Tag ist noch heilig oder eine weihevolle Nacht? An Weihnachten liegt das Rentier Rudolph mit der roten Nase in der Krippe, oder? 

Irgendwann hat mich diese groteske Umdeutung, dieses geschäftsmäßige konsequente Ummodeln eines Hochfestes der Christenheit (und übrigens ganz allgemein unserer – von manchen verachteten  abendländischen Kultur -) so geärgert, dass ich dachte: Warum schreibe ich nicht einmal eine Weihnachtsgeschichte? Es war der Beginn von GAUDETE, eine Weihnachtsgeschichte ausgerechnet in Frankfurt, nur am Rande im kirchlichen Milieu spielend, nicht stimmungsvoll und herzerwärmend sondern provokant die Frage nach dem Wirken Gottes in dieser Welt stellend. Weihnachten ist in der religiösen Bedeutung die Menschwerdung Gottes. Ein unerhörtes Fest. Keine Weltreligion hat den Anspruch erhoben sich auf Gottes Sohn zu berufen, außer den Christen. Diese Provokation hat man erfolgreich in der Neuzeit kleingemahlen, zum Schluss zerstört. Die Kirchenmänner schauen achselzuckend zu: Zeitgeist, wir sind ohnmächtig. –

Genau da wollte ich ansetzen und in meinen Gedanken tauchte eine Figur aus meinen Kurzgeschichten NACHRICHTEN  AUS DEM UNTERHOLZ auf, eine Figur aus der letzten der 50 Miniaturen, die ich ANFANG genannt habe. Jan Tades macht einen neuen Anfang. Als aufgeklärter und atheistisch erzogener junger Mann erfährt er den Einbruch einer anderen Wirklichkeit. Er ist beunruhigt, verstört, und verbringt drei Jahre in einer Unruhe, die schließlich zur Suche wird. Dann taucht er in GAUDETE auf, wird zur Hauptfigur. Gottsuche in Frankfurt? Gottsuche in einer völlig verrationalisierten und kommerzialisierten Welt? Ja, ich wollte eine moderne Gottsuche beschreiben, eine Suche, die beim Nazarener Jesus endet. Spinnert? Mag sein, aber Tatsache ist: Gotteserfahrung geht nicht vom Menschen, geht von Gott aus.

Ein Motiv zieht sich durch meinen kleinen Roman: das Bild der Weisen aus dem Morgenland, im Mittelalter zur Ikone der Heiligen Drei Könige geformt, die Darstellung des Menschen in drei Lebensaltern. Jan erkennt sich im jüngsten, eitlen, mit sich selbst beschäftigten König, der langsam seine Rolle verlassen und zum mittleren König aufrücken will und muss. Der mittlere König ist derjenige mit der größten sozialen Verantwortung zwischen den Alten und den Jungen.

Meine Geschichte beginnt mit dem Allerheiligentag und endet mit dem Sonntag nach Epiphanie, der Taufe Jesu. Es ist die große Festzeit im Winterhalbjahr und ich habe versucht die Bräuche aus dieser Zeit in unsere Realität zu stellen. Übrigens schneit es fast ununterbrochen, was in Frankfurt nie passiert. Der Schnee ist eine Metapher für Verhüllung und Enthüllung, für das Ausbremsen des leistungsorientierten Alltags, für eine Rückkehr ins Innere.

Der Hauptgedanke aber ist: Einer sucht heute Gott, einer, der keine religiösen Wurzeln hat, der „vernünftig“ erzogen wurde. Sucht Jan Tades Gott oder sucht Gott Jan Tades? Gibt es den Finger Gottes, der uns führt…, wie es in einem Choral heißt?

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Übrigens: GAUDETE heißt: Freut euch!

Christina Kupczak