FRANKFURTER EVANGELIENSPIELE und integratives Theater

Die Theaterkonzeption von AugenOhr

Theaterspiel ist DAS MEDIUM für Integration / Inklusion. Hier können alle Menschen einen Platz finden, sei es vor auf oder hinter der Bühne. Es gibt keine Altersbeschränkungen, keine kulturellen Ausgrenzungen, jeder kann mitmachen ob behindert oder nicht, ob zugewandert oder einheimisch, ob religiös oder nicht, spielt alles keine Rolle. Von daher haben wir das integrative Theater stets für das Herzstück unserer Arbeit gehalten. Hier treffen sich Auge und Ohr, hier kommen wir aus unterschiedlichen literarischen Bereichen zusammen und hier verfügen wir über eine zehnjährige erprobte Praxis.

Doch: wir haben keine feststehende Laienspielgruppe, unsere Arbeit ist projektbezogen, die Darsteller wechseln häufig, wir haben keine feste Bühne, wir müssen flexibel sein. Aus diesen Rahmenbedingungen hat sich eine eigene Theaterform entwickelt. Unsere Stücke sind auf die Darsteller hin geschrieben, angepasst. Man spielt weitgehend sich selbst, oft in ironisierter oder überspitzer Form, sogar teilweise mit Klarnamen. Die AugenOhr –Freunde sind reich an Individualisten und „Typen“. Von daher gelingt es auch leicht neue Darsteller zu finden, denn sie müssen nicht allzu sehr „aus ihrer Haut heraus.“ Bevorzugt werden Menschen mit Behinderungen und Migrationshintergrund, die auch einen kräftigen Schuss Selbstironie und Spielfreude mitbringen müssen. Ein weiteres wichtiges Medium ist Musik. Wir versuchen weitgehend eigene Kompositionen auf die Bühne zu bringen, sei es in traditioneller oder moderner Form. Auch Gebärdensprache wird in mancher Produktion ihren Platz finden. Unser Ensemble ist klein, max. 8 Personen und alles muss transportabel sein, in zwei PKW´s passen.

Wir sehen uns als integratives- soziales Theater, welches auch gerne das Publikum einbezieht. So sind Stegreifspiel aus und mit dem Publikum gewollt, ebenso der anschließende Austausch zwischen Darstellern und Publikum. Die Stücke sind kurz, 50-60 Minuten Spielzeit, danach noch 20 Minuten Publikumsgespräch. Große Bühnen sind nicht so gut geeignet, am besten ist eine Kammerspielatmosphäre mit max. 100 Plätzen. Wegen des organisatorischen, zeitlichen und finanziellen Aufwands beschränken wir uns auf Spielorte in Frankfurt/Main und Umgebung.

Unsere Intention: Wir haben eine Botschaft, wir wollen, dass die Zuschauer etwas mitnehmen über das große Thema Integration. Ganz lebenspraktisch, konkret und auch etwas mit Augenzwinkern, denn bei aller Verschiedenheit bewegen uns doch die gleichen Ängste, Vorurteile, Hoffnungen und Wünsche.

Unsere Wurzeln

Wir stehen in der Tradition von P. Amandus Theaterarbeit, der bereits 1995 ein integratives Theaterstück schrieb und inszenierte („Franziska Schervier“). Menschen mit und ohne Behinderungen, Menschen aus der Migration und besonders die Jugend hatten immer einen Platz in seiner Arbeit und in seinem Leben.

Im Jahr 2000 hatte er die Idee für das FRANKFURTER EVANGELIENSPIEL als großes religiöses und integratives Theaterspiel mit 120 Personen aus 15 Nationen, aus 4 Religionen, für Menschen mit und ohne Behinderungen, für Jung und Alt.

P. Amandus inszenierte Stücke bekannter Autoren (Brecht, Shaw, Cechov, Nestroy u.a.), schrieb aber auch selbst und führte Regie in Katechese, in Fastnachtsstücken und in 5 Evangelienspielen. Wir haben bei ihm gelernt.

Alles kommt aus den EVANGELIENSPIELEN, aus 6 Spieljahren mit insgesamt 5o Aufführungen und  jeweils 120 Mitwirkenden. Auch unsere integrative Theaterarbeit fußt auf diesen Großprojekten. Hier haben wir gelernt Menschen mit und ohne Behinderungen, Menschen der verschiedensten Kulturen, Nationen, Altersstufen und Religionen zusammenzuführen. Daher ein kurzer Rückblick mit Artikeln aus den Programmheften sowie einem Tondokument:

Für das Programmheft zum FRANKFURTER EVANGELIENSPIEL 2009 führte Lutz Riehl ein Gespräch mit Christina Kupczak über die Konzeption des Evangelienspiels:

Bereits vor dem FRANKFURTER EVANGELIENSPIEL war die Stadt Frankfurt Schauplatz geistlicher Spiele. Im Programmheft für das Evangelienspiel 2012 wurde hierzu nachfolgender Artikel verfasst:

Im Jahr 2015 führte Lutz Riehl ein Gespräch mit Christina Kupczak über die modernen Bilder im FRANKFURTER EVANGELIENSPIEL. Hier können Sie das Interview im Originalton anhören:

Lutz Riehl im Gespräch mit Christina Kupczak (2015)

In dieser Zeit konnten wir beide viele Erfahrungen rund um das Thema Theater sammeln. 2011 erstellte Christina Kupczak die Dramaturgie zu „Cäsar und Cleopatra“ von George Bernhard Shaw. Mit „Der Besuch aus Weimar“ (2013) und „Das Wiedersehen in Weimar“ (2014) kamen zwei von Lutz Riehl geschriebene Einakter (unter der Regie von Andreas Walther-Schroth) auf die Bühne, bei denen Lutz Riehl auch selbst auf der Bühne stand. Ebenfalls 2014 erstellte Lutz Riehl eine Bühnenfassung nach einem Agatha Christie Roman, der ebenfalls erfolgreich inszeniert wurde.

Viel zu verdanken haben wir auch Frau Gisela Dahlem – Christ, die sowohl die Theaterarbeit von P. Amandus als auch unsere Arbeit stets unterstützt hat. Wir haben viel vom Volkstheater Frankfurt gelernt. Sei es die Einladungen zu unzähligen Premieren, durch personelle oder finanzielle Unterstützung und die stetige Bereitschaft uns Zeit, Rat und Tat zu schenken. Wir bedauern außerordentlich, dass es das Volkstheater Frankfurt nicht mehr gibt. Es ist ein großer Verlust für die Frankfurter Identität und was viele nicht wissen: Das Volkstheater war eine unglaublich engagierte, soziale und tatkräftige Institution. Desgleichen danken wir an dieser Stelle Frau Bärbel Christ- Heß und Herrn Rainer Schöne, die uns 30 Jahre zur Seite standen.

2017 konnten wir beide dann erstmals gemeinsam Regie führen. Mit dem Integrativen Theater LUKAS 14 brachten wir das Stück UNABLÄSSISCH ZOORES von Christina Kupczak erfolgreich zur Uraufführung.

Das Stück behandelt  im Stil des klassischen Volkstheaters die Themen Behinderung, Migration, Diskriminierung und Ausgrenzung einmal recht unernst und alltäglich behandelt. Es wird das offen ausgesprochen, was man gerne hinter vorgehaltener Hand redet, aber in der Öffentlichkeit nie so sagen würde. Aber auch Spieler mit Behinderung erweisen sich als keine besseren Menschen, sie sind ganz „normal“, auch mit Fehlern und Schwächen ausgestattet.

Das Ehepaar Hotz besitzt das Obst- und Gemüsegeschäft Die Salatschnegg, welches von ihrer Tochter Conny gemeinsam mit deren sehbehinderten Ehemann Lutz geführt wird. Ihre Kinder „Bonsai“ und Salome haben jedoch ganz andere Pläne. Connys Schwester, der schicken Angelique ist diese kleinbürgerliche Welt fremd. Sie ist mit dem Berliner Detlef Transier verheiratet, die beiden Kinder Annabelle und André sollen natürlich später studieren, doch auch sie haben anderes im Sinn. Der Tod von Erbtante Juliane verändert alles, die Testamentseröffnung bringt eine faustdicke Überraschung – es gibt noch entfernte Verwandte aus Russland. In einem bunten Gemisch aus Gebärdensprache, Deutsch, Russisch, Frankfurter Mundart, Gesang und Tanz prallen Welten aufeinander.

Die Premiere am 18. Februar 2018 im Pfarrsaal von St. Bernhard (Frankfurt), sowie eine Wiederholung des Stückes am 22. April 2018 im Pfarrsaal von St. Josef (Frankfurt) wurden von Publikum und Presse begeistert aufgenommen:

UNABLÄSSISCH ZOORES

https://www.stadtpost.de/bornheimer-wochenblatt/bornheim-lukas-14-bringt-besonderes-stueck-buehne-id56678.html