Lutz Riehl

Biografie

Lutz Riehl – geboren 1976 in Bad Soden am Taunus

Seit meiner Geburt habe ich Grünen Star (Glaukom), eigentlich eine Alterserkrankung. Das bedeutet konkret, dass ich fast blind bin und über einen Sehrest von fünf bis zehn Prozent verfüge.

Wie lebt es sich mit einer solchen Behinderung? Wie nehme ich meine Umwelt wahr? Diese Fragen habe ich in meinem Song vom „blinden Hessen“ auf humorvolle Weise zu beantworten versucht. Auf unserer Seite „O-Töne“ können Sie ihn anhören: http://augenohr-frankfurt.de/o-toene/

Nach dem Abitur 1996 studierte ich zunächst zwei Semester katholische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt, bevor ich zum Studium der Musikwissenschaft und Germanistik an die JWG-Universität in Frankfurt wechselte. Das Studium schloss ich 2004 mit dem Magister Artium ab, die Promotion zum Dr. phil. erfolgte 2008. Es folgten regelmäßige Lehraufträge an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt seit 2010.

Meine private musikalische Ausbildung begann ich mit Klavierunterricht, daran schloss sich die Ausbildung zum nebenamtlichen Kirchenmusiker, u. A. bei Johannes von Erdmann (Orgel) sowie Gesangsunterricht (u. A. bei Hans Georg-Dechange). Seit 1996 bin ich als Organist und Chorleiter tätig, hinzu kommt die Mitwirkung in unterschiedlichen Ensembles.

Ehrenamtlich war ich als Schriftführer in der Mendelssohn-Gesellschaft Main-Taunus (von 2007 bis zu deren Auflösung 2018) sowie als Zweiter, bzw. Erster Vorsitzender des Vereins LUKAS 14 (2010-2018) aktiv.

Kirchenmusik

Von Juli 1996 bis November 2018 war ich als Organist im Nebenamt an der Christkönig-Kirche in Falkenstein/Königstein tätig, zum 1. Dezember 2018 wechselte ich an die Kirche St. Alban in Schönberg. Bei verschiedenen Formationen (z. B. bei Celebramus Musica@Vox in Falkenstein) wirkte ich als Keyboarder und Sänger mit.

Zwischen Januar und September 2011 übernahm ich die Chorleitervertretung beim Gospelchor Herz-Jesu in Frankfurt-Eckenheim, zum 1. Mai desselben Jahres wurde ich fester Chorleiter des katholischen Kirchenchores St. Cecilia in Kronberg/Schönberg. Die Hauptaufgabe des Chores liegt in der Gestaltung der Liturgie, das Repertoire reicht dabei von den Komponisten des Barock bis in die Gegenwart. Mit der Missa Albani für Solo-Flöte, Chor und Orgel von Peter Reulein konnte das Ensemble am 21. Juni 2016 in St. Alban in Schönberg mit dem Komponisten an der Orgel eine Uraufführung bestreiten.

Gesang und Moderation

Neben der Kirchenmusik spielt der Sologesang eine wichtige Rolle für mich. Wenngleich sich meine Ausbildung hauptsächlich im Bereich des klassischen Gesangs abspielte, was auch den ein oder anderen Auftritt mit sich brachte, habe ich mich in den vergangenen Jahren auf andere Stilrichtungen konzentriert. Hierzu zählen vor allem der Jazz (Swing), aber auch Pop-Balladen, auch in diesen Bereichen erfolgten mehrere Auftritte. Darüber hinaus war und bin ich als Moderator von Konzertveranstaltungen in Frankfurt und Umgebung tätig.

Ein wichtiges Anliegen ist mir das 2014 von Milica Zovko gegründete Musikfestival Glashütten, bei dem ich mich seit dessen Gründung als Sänger und Co-Moderator engagiere. Seit 2016 schreibe ich selbst Songs (Text und Musik), viele davon wurden im Rahmen des Musikfestivals erstmals gespielt.

Über die Arbeit bei LUKAS 14 erwuchs die Idee eines ganz besonderen Gesangsduos „Schwarz&Weiss“. Im Rahmen des FRANKFURTER EVANGELIENSPIELS 2015 traten Martin D. Washington und ich erstmals gemeinsam auf (als Auferstehungsengel), im vergangenen Jahr gab es das Debüt mit einem Swing-Duett. Weitere Auftritte für das Jahr 2019 sind geplant.

Über Martin D. Washington habe ich auch die Arbeit von TOASTMASTERS kennengelernt, einer amerikanischen Non-Profit-Organisation, die ein Netzwerk von Redner- und Debattierclubs geschaffen hat. Durch meine Mitgliedschaft dort habe ich ein neues Verhältnis zur englischen Sprache und zum öffentlichen Sprechen bekommen.

Lehrtätigkeit

Hier finden Sie einen Überblick zu den Seminaren, die ich seit 2010 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst gehalten habe:

  • Dmitri Schostakowitsch – Leben und Werk
  • Die Sinfonie im 20. Jahrhundert
  • Krzysztof Penderecki – Leben und Werk
  • Das Oratorium im 20. Jahrhundert
  • Richard Wagner – Leben und Werk
  • Die Oper im 20. Jahrhundert
  • Benjamin Britten – Leben und Werk
  • Musik und Erotik
  • Sterben und Tod in der Musik
  • Geistliche Musik des 20. Jahrhunderts
  • Felix Mendelssohn-Bartholdy – Leben und Werk
  • Musik und Krieg
  • Die Präsenz Gottes in der Musik
  • Musik und Humor

Autor

Nachdem ich im Jahr 2005 eine freie Tätigkeit als Musikrezensent für das Höchster Kreisblatt und später auch die Taunus-Zeitung übernommen habe, begann ich im gleichen Jahr, angeregt durch meine Erfahrungen auf dem Gebiet der Kirchenmusik, mit dem Schreiben von Liedtexten im Bereich Neues Geistliches Lied. Viele dieser Texte wurden von Peter Reulein, Alexander Keidel und Joachim Raabe vertont und sind in verschiedenen Publikationen des Dehm-Verlags erschienen.

2006 engagierte mich Pater Amandus Hasselbach OFMCap für die Rolle des Kantors im dritten FRANKFURTER EVANGELIENSPIEL Im Rahmen dieses Projektes lernte ich Christina Kupczak kennen, die mich für die Idee des Vereins LUKAS 14 begeisterte, zu dessen Gründungsmitgliedern ich schließlich gehören sollte. Über mein Engagement im Verein kam ich mit der Theaterarbeit von Pater Amandus in Berührung und spielte rasch bei mehreren Produktionen („Der Bär“ von Anton Cechov, „Caesar und Cleopatra“ von George Bernard Shaw) die Titelrolle.

2012 schrieb ich mit „Der Besuch aus Weimar“ mein erstes Theaterstück. In diesem Einakter erhält Frau Aja, die Mutter Goethes, überraschenden Besuch durch den Kammerrat Gernot von Witzleben, einem Mitarbeiter ihres Sohnes in Weimar, der sich auf Durchreise in Frankfurt befindet. In diesem turbulenten Stück prallen hessische Mundart und sächsischer Dialekt aufeinander, was zwangsläufig zu Missverständnissen führt. Im Januar 2013 erfolgte die Uraufführung mit der Volksschauspielerin Silvia Tietz als Frau Aja und Lutz Riehl als von Witzleben.

Mit „Das Wiedersehen in Weimar“ folgte 2013 ein zweiter Einakter rund um Goethe. Dieses Mal steht der Dichterfürst selbst im Mittelpunkt, er wird mit einer Freundin aus Frankfurter Jugendtagen konfrontiert, die ihm ebenso forsch wie liebenswert nahebringt, dass auch große Leute einmal ganz klein angefangen haben und vor alltäglichen Problemen nicht verschont bleiben. Anfang 2014 wurde dieses Stück in gleicher Besetzung uraufgeführt.

Diese Stücke brachten mir eine Tätigkeit als Dramaturg beim Theater im Park in Oberursel zwischen 2013 und 2015 ein, ebenso im Rahmen des Integrativen Theaters bei LUKAS 14.

Eine wichtige Säule meiner Tätigkeit wurde das FRANKFURTER EVANGELIENSPIEL Dort wirkte ich erstmals 2006 (beim dritten Spiel) mit und übernahm sechs Wochen vor der Aufführung die Rolle des Kantors in der Abendmahlszene. Beim vierten Spiel (2009) kamen weitere Rollen, auch mit Gesangseinlagen, hinzu, außerdem übernahm ich von da an die Schriftleitung der Programmhefte. Für das vierte Spiel (2012) verfasste ich erstmals eigene Liedtexte, das Lied der Martha (Wärest du doch hier bei uns gewesen) sowie das Duett der Emmaus-Jünger (Bleibe bei uns, wenn der Abend kommt), beide Texte wurden von Peter Reulein vertont. Die Emmaus-Jünger wurden von Benedikt Richter und von mir dargestellt. Ebenso schuf ich für das sechste Spiel (2015) eine Schlussnummer in deutscher und englischer Sprache. Diese wurde von Christoph Kuhn in Musik gesetzt und von Martin D. Washington und von mir im Spiel gesungen. Im Rahmen des Spiels 2015 arbeitete ich erstmals auch hinter den Kulissen an der Inszenierung mit und übte die Funktion eines Regieassistenten aus.

2017 führte ich gemeinsam mit Christina Kupczak auch erstmals Regie bei ihrem Theaterstück UNABLÄSSISCH ZOORES, das im Februar 2018 erfolgreich uraufgeführt wurde. Bereits seit 2012 arbeite ich auf literarischem Gebiet mit Christina Kupczak zusammen und habe einen Großteil ihrer Bücher lektoriert.

2016 schrieb ich das Libretto zum Weihnachts-Oratorium „Sternstunde“, das von dem Frankfurter Kirchenmusiker Peter Reulein vertont wurde. Die Uraufführung fand am 17. Dezember 2016 unter der Leitung des Komponisten in der Frankfurter Liebfrauenkirche statt. Eine zweite Aufführung erfolgte am 10. Dezember 2017 in St. Johannes in Bad Homberg/Kirdorf.

Darüber hinaus verfasste ich die Texte zu Liedern über die beiden Schutzpatrone der Stadt Frankfurt: Aus dem Jahr 2014 stammt das Bartholomäus-Lied Bartholomäus, Heilger dieser Stadt (zu singen auf die Melodie GL 548 Für alle Heilgen in der Herrlichkeit), zwei Jahre später folgte das Carolus-Lied Carolus Magnus, Kaiser (zu singen auf die Melodie GL 478 Ein Haus voll Glorie schauet). Beide Lieder sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Festgottesdienstes zum Stadtkirchenfest und des Karlsamtes.

Außerdem beschäftige ich mich intensiv mit dem Schreiben von Lyrik, mit einem besonderen Schwerpunkt im Bereich Mundartdichtung. Hinzu kommen Auftritte als Mundart-Rezitator (u. A. bei der Hessischen Weihnacht in der Frankfurter Liebfrauenkirche oder gemeinsam mit Petra Breitkreuz) sowie als Sänger eigener Songs in Frankfurter Mundart. Für die Seite AugenOhr habe ich die Rubrik „Gedicht des Monats“ eingerichtet, in der jeden Monat ein neues Gedicht von mir erscheint.

Der Tod

Ja, Sie haben ganz richtig gelesen. Seit einigen Jahren ist die Figur des Todes ein ständiger Begleiter von mir geworden. Gemeinsam mit Dr. Christiane Gog und Christina Kupczak habe ich diese Figur erarbeitet und bin mit ihr bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen aufgetreten; vor Medizin-Studenten der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Mitarbeitern der Palliativstation des Sana-Klinikums Offenbach oder bei Veranstaltungen der Katholischen Erwachsenenbildung in Frankfurt..

Inhalt meiner Auftritte ist ein Überblick über die unterschiedlichen Darstellungen des Todes in der Geschichte und in den verschiedenen Kulturen. Auch Literatur, Kunst, Musik und das Alltagsleben (bestimmte Redewendungen und Umschreibungen für den Tod) dürfen dabei nicht fehlen. Bei all dem kommt auch der Humor nicht zu kurz – schließlich erlaubt es die christliche Tradition, über den Tod zu lachen.

Falls Sie Interesse an einer meiner Veranstaltungen haben, würde ich mich freuen, von Ihnen zu hören. Sie erreichen mich unter info@augenohr-frankfurt.de